“Wer Radieschen und Möhren von unten sieht,
ist zweifellos mausetot. Das muss sich Landärztin Albertine von Krokow nicht erklären lassen. Warum aber mussten die beiden Männer ihr Leben ausgerechnet in den sorgsam gepflegten Gemüsebeeten aushauchen? Während die Polizei im Dunkeln tappt, gelangen Albertine
und ihr Nachbar Hubertus zu der Überzeugung, dass Öko-Aktivisten hinter den Taten stecken. Doch als zwei weitere Tote gefunden werden, muss Albertine erkennen, dass sie auf einer tödlich falschen Fährte sind …” (Quelle: Klappentext)
Mordsgaudi!
Es ist wirklich verrückt, im Buchladen wäre ich an diesem Krimi einfach vorbei gegangen, eben weil er der klassischen Optik eines Krimis so gar nicht nachkommt. Eine helle, schon fast freundlich wirkende Covergestaltung, eingefasst mit fühlbaren Nahtstichen und dekoriert mit einem Radieschen. Stellt man sich so ein herrlich skurriles Gemetzel vor? Ich jedenfalls nicht. Bis jetzt.
Und dennoch zeigte sich mal wieder, wie sehr der erste Eindruck täuschen kann.
Zugegeben, Peter M. Hetzel ist kein Unbekannter, seine Buchtipps verfolge ich seit längerer Zeit im Fernsehen und freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn er mir mit wenigen Worten die vorgestellten Bücher schmackhaft macht. Und genau so könnt ihr euch diesen Krimi vorstellen.
Knackige Formulierungen, ein gekonntes Spiel mit Worten, so dass allein durch den Schreibstil schwer Langeweile und Eintönigkeit aufkommen kann.
Inhaltlich steht das Buch dem Schreibstil in nichts nach. Personen agieren nicht nur einfach, sie leben. Und das so skurril, dass sie wie Unikate wirken, die durch ihre Art überzeugen und den Leser mitreissen können. Sei es Albertine, die leicht versnobte Landärztin, oder Egon-Erwin, der sensationslüsterne Reporter, oder die beiden Müllers, die bei der Polizei für mehr Chaos als für Ordnung sorgen. So und nicht anders habe ich mir typische Dorfbewohner vorgestellt.
Kombiniert wird das ganze mit Mordszenarien, die es in sich haben. Hierbei scheiden die Opfer nicht halbwegs friedlich aus dem Leben, sondern werden überraschend kreativ abgemurkst. Selbst der Täter ist sehr ausgefallen in der Art und Weise, wie er handelt und auftritt. Lange Zeit konnte ich ihn weder einschätzen, noch hatte ich die geringste Idee, wer er sein könnte. Gut!
Besonders schön sind die kleinen Nickeligkeiten, die für Unterhaltung und Überraschung sorgen. Beispiel: An einer Stelle steht Egon-Erwin vor einem Maschendrahtzaun und, ihr ahnt es sicher, stimmt das passende Lied an, mit dem Stefan Raab uns wochenlang gequält hat. Moooschendraaaahtzaaaoooouuun!
Ergänzt wird das ganze mit dezenten Seitenhieben auf momentane Z-Promis oder TV-Sendungen, die die Menschheit zwar nicht braucht, aber ständig darüber redet. Muss man nicht mögen – ich konnte mich darüber sehr amüsieren. Es ist auch ein netter Kontrast zu dem leicht spießig-piefigen Leben der Dorfbewohner und wirkt dadurch etwas flotter.
Insgesamt hat mich dieser Landkrimi mehrfach positiv überrascht. Der Schreibstil sorgt für gute Unterhaltung, gemordet wird auch ordentlich und was ich besonders mag, man kann und darf mit diesem Krimi auch herzhaft lachen. Bitte mehr davon!
Buchinformation:
221 Seiten | erschienen 2013 im Emons Verlag als
Klappbroschur: 978-3954510795 | 11,90€
Ebook: ASIN B00CD5DI22 | 9,49€
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